Holzschnitte 1993-2005

Schwarz auf Weiß, Weiß auf Schwarz und - ganz in Weiß

Die vorliegenden Holzschnitte sind im Zeitraum von 1993-2003 entstanden. Das Holz des Druckstocks wird geschlagen, geschabt, gesägt, geritzt und gekerbt. Die Werkzeuge: neben den üblichen Flachbeiteln ebenso die Kettensäge, Flachdexel, Elektrohobel, oder auch Käsereibe und Handraspel. Mit diesen Zeicheninstrumenten werden die Schichtholzplatten bis in unterschiedliche Tiefen traktiert, ihnen wird im wörtlichen Sinne »zu Leibe gerückt«.
Ich drucke nicht nur Schwarz auf weißem Papier, sondern kehre den bildnerischen Gedanken um: Schwarz eingefärbte Papiere werden Weiß überdruckt. Die Bildwirkungen sind deutlich unterschieden. Schwarz auf Weiß gedruckt wird die aus den Holzschichten geschlagene Fläche zu einer weiß strukturierten Form auf schwarzem Grund. In der Umkehrung bleibt die Bildwirkung ambivalent: liegt die nun schwarze Form auf weißer Fläche oder handelt es sich um in die Tiefe hinter das Weiß reichende schwarze Bruchstellen?
So wie ich mehrere Schichten des Druckstockes einschneide, werden in der dritten Arbeitsreihe bis zu sieben geschnittene und weiß eingefärbte Platten übereinander geschichtet, solange wie es der Bildprozeß erfordert und das Papier Weiß aufnehmen kann.
Mit den mal filigranen Mustern einerseits und den wuchtig gesetzten Schwarzformen andererseits divergieren die Bildergebnisse zwischen Leichtigkeit und Schwere; Konzentrationspunkte und Leerräume besetzen, lineare »Wege« durchmessen die Bildfläche. Die waagerechten und senkrechten Schnittbündel und grob gekerbten Flächen wecken Erinnerungen an Strukturraster von Siedlungen und Aufsichten zerstörter Städte.

In den mehrschichtig weiß überlagerten Drucken werden die Bildzustände schichtweise heller, wirken ruhiger. Dennoch: von der Logik des künstlerisch technischen Entstehungsprozesses her gesehen kann nichts »übertüncht« oder »ungeschehen« gemacht werden, denn die dem Holz anfänglich zugefügten Kerben, Bruchstellen und Schrunden scheinen selbst durch das lichteste Weiß hindurch.
Hierin bleibt der Prozeß des Schichtens, der »Geschichte« erhalten. Die Vehemenz der körperlichen Verausgabung ins Holz schlägt im Druckergebnis in ein nahezu heiteres, kalligraphisches Spiel zwischen Schwarz und Weiß, in Zartheit und Leichtigkeit um — als wollte ich den verbrauchten Exerzierplatz in eine gedeihliche Gärtnerei wandeln.

Andreas Rosenthal

Kleinformat

Holzschnitt
1993-2005
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Mittelformat

Holzschnitt
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Großformat

Regal (Steine)
1993 | 18 x 50 x 70 cm
Holzschnitt
1993-2005
Holzschnitt
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